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Therapie durch Bilderbücher

Designprofessorin der FH Münster nimmt in der Illustration psychische Krankheiten in den Fokus

Lina Körner hat ein therapeutisches Bilderbuch für Menschen, die an einer dissoziativen Identitätsstörung leiden, gestaltet. (Foto: FH Münster/Stefanie Gosejohann)

Belastende Ereignisse wie der Einsatz in einem Kriegsgebiet, der Tod eines geliebten Menschen oder traumatische Erfahrungen in der frühen Kindheit können die Seele krankmachen. Manche Menschen verdrängen solche Erlebnisse oder spalten sie gar in andere Persönlichkeiten ab, woraus sich eine dissoziative Identitätsstörung entwickeln kann. Zu diesem Krankheitsbild hat Lina Körner, Designstudentin an der FH Münster, ein therapeutisches Bilderbuch entwickelt, das Betroffenen dabei helfen soll, ihre eigenen Gefühle besser zu verstehen und ausdrücken zu können. Entstanden ist es im Projektseminar „Illustration“ zum Thema „Traumata“ unter der Leitung von Prof. Cornelia Haas. Die Professorin vom Fachbereich Design, der Münster School of Design (MSD), hat dafür mit einem erfahrenen Traumatherapeuten zusammengearbeitet.

„Das war sehr hilfreich, weil wir dadurch einen direkten Einblick in die Traumatherapie bekommen haben und unsere Konzepte nochmal aus therapeutischer Sicht betrachtet wurden“, erklärt Körner. „Ich hatte sogar die Möglichkeit, mit einer Patientin zu sprechen, die mir von ihren persönlichen Erfahrungen mit dieser Erkrankung erzählt und Rückmeldungen zu meinen Entwürfen gegeben hat.“ Obwohl die Studentin für die Prüfungsleistung nur das Buchkonzept, ein Storyboard und einzelne Beispielseiten entwerfen musste, hat sie ihr Projekt nach Abschluss des Seminares freiwillig noch zu Ende gebracht. „Ich fand es schade, das Bilderbuch nicht ganz fertig zu stellen. Ich werde es auf jeden Fall an Verlage, die sich auf psychische Gesundheit spezialisiert haben, schicken, und vielleicht ergibt sich ja in Zukunft eine Veröffentlichung.“

Ihre Professorin ist auf jeden Fall sehr beeindruckt von dem Werk und hat auch von dem Therapeuten, mit dem sie für ihre Seminare kooperiert, eine positive Rückmeldung erhalten: „Er hat mir berichtet, dass die Zusammenarbeit mit Lina den therapeutischen Erfolg der Patientin sehr positiv beeinflusst hat“, sagt Haas. „Ich bin generell überzeugt davon, dass Bilderbücher ein wunderbares Mittel sind, um zur Heilung psychischer Krankheiten beizutragen. Denn Bilder mogeln sich an unseren intellektuellen Konstruktionen und Barrieren vorbei direkt in das Zentrum unserer Gefühlswelt. Sie sprechen unmittelbar zu uns, ohne dabei die Vielschichtigkeit und Komplexität menschlicher Lebensthemen zu negieren.“

Durch eine Zusammenarbeit mit der evangelischen Militärseelsorge war die renommierte Kinder- und Jugendbuchillustratorin auf das Thema therapeutische Bilderbücher gekommen. Sie hat das Buch „Land der Steine“ über moralische Verletzungen durch militärische Einsätze illustriert. „Das hat mich so fasziniert, dass ich beschlossen habe, therapeutische Bilderbücher in meine Lehre einzubauen. Ich werde sicher auch zukünftig Seminare dazu anbieten – nach den Schwerpunkten Trauer- und Traumatabewältigung vielleicht aber auch mal anhand weniger dramatischer Fragestellungen.“

Zum Thema: In ihrem aktuellen Hochschulentwicklungsplan hat die FH Münster – University of Applied Sciences – das Thema Gesundheit für weitere fünf Jahre als eine von sechs gesellschaftlichen Herausforderungen definiert, die sie bei ihrer Weiterentwicklung in besonderer Weise berücksichtigen wird. Ziel ist es, Gesundheit als deutlichen Schwerpunkt in den Strategieperspektiven Bildung und Forschung weiter zu stärken und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern. Vom 9. bis 20. Januar stellt die Hochschule vielfältige Aktivitäten und Projekte in diesem Themenfeld vor.

FH Münster / 19.01.2023

Foto: FH Münster/Stefanie Gosejohann

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