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Erdoğan bedroht Sängerin: „Die Zunge herausreißen”

Nach einer Medienkampagne gegen die Sängerin Sezen Aksu drohte der türkische Regimechef Erdoğan, ihr „die Zunger herauszureißen“.

Nach einer Medienkampagne gegen die Sängerin Sezen Aksu drohte der türkische Regimechef Erdoğan, ihr „die Zunger herauszureißen“. Aksu beantwortete dies mit einem neuen Lied, das in umgehend in über dreißig Sprachen übersetzt wurde.

Einmal mehr versuchen die Regierungspartei AKP und der Regimechef Erdoğan, das Klima der Bigotterie und der Lynchmobs in der Türkei noch weiter anzufachen und so von der eigenen Krise abzulenken. Diesmal wird die bekannte Pop-Sängerin Sezen Aksu angegriffen. Ein Lied der Sängerin aus dem Jahr 2017, in dem es heißt „Wir sind unterwegs in die Apokalypse. Grüßt mir Eva und Adam, die Unwissenden“, wurde zum Anlass einer Welle von Angriffen in Regierungsmedien genommen, die darin gipfelte, dass der Regimechef Erdoğan selbst beim Freitagsgebet in der Istanbuler Çamlıca-Moschee praktisch zum Angriff auf die Künstlerin aufrief: „Niemand kann seine Heiligkeit Adam diffamieren. Es ist unsere Pflicht, denjenigen, die ihn diffamieren, beizeiten die Zunge herauszureißen. Niemand darf ihre Heiligkeit Eva diffamieren.”

Gleichzeitig erstattete ein Rechtsanwalt namens Mikail Yılmaz und eine Gruppe von Begleitern bei der Generalstaatsanwaltschaft Ankara Strafanzeige gegen Sezen Aksu wegen „Beleidigung religiöser Werte und Provokation oder Erniedrigung“. Eine Gruppe von Regierungsbefürwortern versammelte sich vor dem Haus von Aksu und protestierte. Auch der Vorsitzende des rechtsextremen Koalitionspartners der AKP, Devlet Bahçeli (MHP), nahm Sezen Aksu in seiner wöchentlichen Fraktionssitzung ins Visier.

Aksu: „Es geht um alle“

Am Samstag äußerte sich Aksu über Facebook und erklärte: „Es geht nicht um mich, es geht um das Land.“ Gleichzeitig veröffentlichte Aksu das Lied Avci. Aksu teilte auch den Text eines neuen Liedes, das sie nach eigenen Angaben am Vortag geschrieben hatte. In kurzer Zeit übersetzten Menschen in den sozialen Medien den Text in mehr als dreißig Sprachen.

Der Text des Liedes Avcı (Jäger) lautet in deutscher Sprache:

Du kannst mich nicht traurig machen
Ich bin schon traurig
Ich sehe überall Schmerz, wohin ich auch schaue
Ich bin die Beute und du bis der Jäger
Erschieß mich also …

Du kannst mich nicht spüren
Du kannst meine Zunge nicht zerquetschen
Ich sehe überall Schmerz, wohin ich auch schaue
Wer ist der Reisende, wem gehört das Lokal
Wir werden sehen …

Du kannst mich nicht töten
Ich habe meine Stimme, meine Instrumente, meine Worte
Wenn ich ‚mich‘ sage, dann meine ich alle

203 Künstler:innen solidarisieren sich: „Das Herz der freien Kunst soll herausgerissen werden“

Währenddessen wächst die Unterstützung für Sezen Aksu. Neben der breiten Solidarität in den sozialen Medien erklärten sich 203 Künstler:innen mit der Musikerin solidarisch. Unter ihnen befinden sich prominente Autor:innen und Künstler:innen wie Latife Tekin, Elif Şafak, Ece Temelkuran, Birhan Keskin, Hayko Cepkin, Şükrü Erbaş und Sema Kaygusuz. Die Erklärung ist überschrieben mit: „Sezen Aksu ist niemals alleine und wir werden niemanden von uns verlieren.“ In der Erklärung heißt es: „Mit großer Empörung verfolgen wir die Äußerungen des Staatspräsidenten und AKP-Vorsitzenden Recep Tayyip Erdoğan, die sich gegen Sezen Aksu richten und einen Angriff auf die Meinungsfreiheit darstellen. Wir sind mit Recht gegen diesen Angriff auf Sezen Aksu, die seit 47 Jahren schreibt und singt und mit Dutzenden Liedern zum kulturellen Reichtum dieses Landes beigetragen hat … Wir wollen kein Land, in dem Aksus Meinungsfreiheit eingeschränkt ist und ihr droht, dass ‚jede Zunge herausgerissen wird‘. Wir erklären, dass wir gemeinsam und solidarisch gegen diesen Angriff stehen. Die Zunge, die „abgerissen“ werden soll, ist die Zunge der alten Völker Anatoliens. Es ist die Zunge von Pir Sultan, Yunus Emre, Karacaoğlan, Köroglu, Aşık Veysel und Sinem Bacı, kurz gesagt, die Zunge, die uns seit Tausenden von Jahren repräsentiert und mit der wir unser Glück, unsere Traurigkeit, unsere Trauer zum Ausdruck gebracht haben. Es ist die Zunge der alten Völker, die wie Nasreddin Hodja weinen und lachen wie Bayburtlu Zihni. Es ist die Sprache der Arbeiter:innen, der Frauen und derer, die mit ihren Langhalslauten und ihren Worten gegen alle Arten von Unterdrückung kämpfen. Die Zunge, die ‚ausgerissen‘ werden soll, ist die Zunge der freien Kunst. (…) Wir als Künstler:innen haben darum gekämpft, alle in diesem Land gelebten Formen des Ausdrucks zu bewahren, und wir werden diesen Kampf fortsetzen. Sezen Aksu wird niemals alleine gehen und wir werden keine einzige von uns verlieren.“

Die Unterzeichner:innen

Aslı Biçen, Aslı Solakoğlu, Aslı Tohumcu, Aslı Uluşahin, Ayşe Çavdar, Akif Kurtuluş, Altay Öktem, Anıl Mert Özsoy, Ali Seçkiner Alıcı, Akın Yanardağ, Ayla Turan Tan, Adnan Gerger, Ayşen Şahin, Arife Kalender, Aydan Yalçın, Aliye Özlü, Ayşegül Devecioğlu, Atiye Kalkan, Ahmet Murat Aytaç, Ahmet Telli, Birol Tezcan, Bade Osma Erbayav, Baran Güzel, Burhan Şeşen, Birhan Keskin, Büşra Sanay, Burcu Ünlü, Barış İnce, Belgin Bıyıkoğlu, Birgül Oğuz, Bircan Değirmenci, Buket Uzuner, Bülent Tekin, Barış Atay, Belma Fırat, Betül Yılmaz, Batuhan Dedde, Can Uçar, Cem Erciyes, C. Hakkı Zariç, Çağlayan Çevik, Çayan Okuduci, Cenk Kolçak, Çağrı Sinci, Cihan Ülsen, Cem Vazo, Cafer Solgun, Çetin Ali Nergis, Devrim Horlu, Deniz Durukan, Dündar Hızal, Deniz Ulkat, Derya Ulkat, Duygu Kankaytsın, Devrim Dirlikyapan, Dilruba Nuray Erenler, Diyar Atak, Ezgi Polat, Ercan Mehmet Erdem, Emrullah Alp, Esin Özbek, Emirali Türkmen, Erdoğan Emir, Ece Temelkuran, Eylem Te, Engin Turgut, Eray Sargın, Emrah Polat, Erkan Karakiraz, Erbil Doğan, Figen Şakacı, Fatih Tan, Fadıl Öztürk, Fahri Özdemir, Fatma Aras, Gaye Boralıoğlu, Gökhan Bakar, Grup Adalılar, Gonca Özmen, Gülşen İşeri, Giray Kemer, Gökhan Bakar, Haydar Ali Albayrak, Hıdır Işık, Hüseyin Bul, Haydar Ergülen, Haden Öz, Hüseyin Gökçe, Hilal Karahan, Haluk Tolga İlhan, Hüseyin Turan, Hayko Cepkin, Hatice Meryem, Ilgın Sönmez, Latife Tekin, Tekgül Arı, Nil Sakman, Sevim Erdoğan, Onur Bütün, Mahmut Çınar, Umay Umay, Sırma Mirzaoğlu, Sibel Oral, Mahir Ünsal Eriş, Murat Özyaşar, Özlem Akcan, Sercan Meriç, Mehmet Said Aydın, Metin Solmaz, Merve Göntem, Umut Altınçağ, Volkan Yosunlu, Sinem Sal, M.K. Perker, Murat Uyurkulak, Pelin Buzluk, Murat Meriç, Metin Yetkin, Muzaffer Gezer, Gönül Kıvılcım, Pınar Aydınlar, Nesimi Aday, Sevengül Sönmez, Kemal Varol, Ferhat Tunç, Fatoş Avcısoyu Ruso, Zerrin Saral, Nimet Mızraklı, Levent Karataş, Vecdi Erbay, Nadir Göktürk, Muzaffer Gezer, Şükrü Erbaş, Niyazi Koyuncu, Tunca Çaylant, Ünal Ersözlü, Sina Akyol, Tuğrul Keskin, Namık Kuyumcu, Semih Çelenk, Mazlum Mengüç, Tuba Torun, Orhan Alkaya, Suzan Samancı, Utkucan Akyol, Kazım Gündoğan, Mustafa Ergin Kılıç, Sema Kaygusuz, Oğulcan Kütük, Yücelay Sal, Ömer Ferhat Özmen, Serhad Raşa, Yücel Tunca, Muammer Ketencoğlu, Nalan Çelik, Esat Şenyuva, Nilay Özer, Müge Koçak, Sonat Yurtçu, Mehmet Özer, Kerem Görkem, Taçlı Yazıcıoğlu, Narin Yükler, Mesut Varlık, Nalan Kuruçim, Pınar Doğu, Hüseyin Akcan, Nur Sürer, Elif Şafak, Sedef Erken, Turan Parlak, Özlem Armen, Şahin Altuner, Eren Aysan, Murat Gür, Senem Gezeroğlu, Nur Saka, Metin Atik, Zeynep Altıok, Zeynep Ezmen, Tuncay Birkan, Hüsamettin Küçük, To256603zan Alkan, Mahir Karayazı, Yılmaz Şener, Mehmet Aras, Çetin Ali Nergis, Gül Kaçar, Nurani Ersoy, Zafer Türker, Levent Kaçar, Sıtar Sertaç Şanlı, Mazlum Çetinkaya, Tacim Çiçek, Hakan Güngör, Nurhan Suerdem, Okan Çil.

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Written by Claudia Carmen

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