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Karayilan: Wir können in den Bergen alles erschaffen

Murat Karayilan hat sich als Mitglied des Exekutivrats der PKK in einer Sondersendung beim Radiosender Dengê Welat zu den aktuellen Entwicklungen geäußert

„Der türkische Staat kann seinen Besatzungsplan in Südkurdistan nicht gänzlich umsetzen. Einige Orte sind besetzt worden, aber auch dort hat die Armee nicht die vollständige Kontrolle“, erklärt Murat Karayilan (PKK).

Murat Karayilan hat sich als Mitglied des Exekutivrats der PKK in einer Sondersendung beim Radiosender Dengê Welat zu den aktuellen Entwicklungen geäußert. Wir veröffentlichen einen kleinen Ausschnitt seiner Bewertungen:

Unser Volk in Europa fordert mit Demonstrationen die Streichung der PKK von der „Terrorliste“. Das ist sehr richtig. Solange die USA und die EU den kurdischen Befreiungskampf als terroristisch betrachten, wird der türkische Staat seine Verleugnungspolitik fortsetzen, weiter Massaker am kurdischen Volk begehen und verbotene Waffen einsetzen. Mit den Terrorlisten bekommt er dafür die Genehmigung. Deshalb muss unser Kampf sehr vielseitig sein. Vielleicht sind nicht alle Staaten unbedingt dafür, dass der türkische Staat Kurdistan zerstört und einen Genozid verübt. Aber alle denken an ihre eigenen Interessen und unterstützen die Türkei als NATO-Staat für eine vermeintliche Stabilität der Region. Damit machen sie den Weg frei für das Vorgehen der Türkei und davon profitiert der türkische Staat. Momentan wendet er ein neues Konzept an, um alle kurdischen Errungenschaften zunichte zu machen. Darauf basiert der aktuelle Krieg.

In Kurdistan herrscht seit 96 Jahren türkischer Staatsterror. Gegen diesen Staatsterror verteidigen wir uns. Als Volk wollen wir unsere natürlichen Rechte schützen. Deshalb kämpfen wir. Es handelt sich um einen legitimen Widerstand. Jedes Volk eines anderen Landes würde ebenso handeln, wenn es wie Kurdistan besetzt werden würde. Es ist eine Voraussetzung für die Existenz. Wir werden also also terroristisch bezeichnet, obwohl wir es sind, die sich gegen Staatsterror wehren. Es ist eine Tatsache, dass die Hegemonialstaaten uns aufgrund ihrer Eigeninteressen auf ihre Terrorlisten setzen.

Das Pressezentrum der HPG hat vor einigen Tagen eine einmonatige Kriegsbilanz veröffentlicht. Die momentanen Angriffe auf Avaşîn, Zap und Metîna in Südkurdistan sind die Fortsetzung eines feindlichen Konzepts. Im Rahmen desselben Konzepts sind bereits viele Gebiete in Xakurke besetzt worden, die türkische Armee hat dort Stützpunkte errichtet. Auch Heftanîn ist besetzt worden. Es handelt sich also um ein Konzept, mit dem Südkurdistan Schritt für Schritt besetzt werden soll. Jetzt setzt der türkische Staat erstmalig auf einem derart breiten Gebiet Waffen wie Panzer, Granaten, Kampfbomber, Drohnen und Hubschrauber ein. Die Freiheitsguerilla Kurdistans kämpft dagegen mit neuen Taktiken, was bei der türkischen Armee Verblüffung und einen Stillstand ausgelöst hat. Sie kann ihren Besatzungsplan nicht gänzlich umsetzen. Einige Orte sind besetzt worden, aber auch dort hat die Armee nicht die vollständige Kontrolle. Das ist eine sehr wichtige und auffällige Sache. Es geht hier um einen Staat, der alle technischen Mittel der Neuzeit in der Hand hat und behauptet, dass er jeden Ort einnehmen kann. Dieser Staat ist jetzt ins Stocken geraten. Die Ergebnisse des Krieges sind in dieser Hinsicht wichtig und sehr interessant.

Leider gelingt es uns nicht, uns in der Weltöffentlichkeit bekannt zu machen. Bei diesem Thema gibt es viele Unzulänglichkeiten. Auf der anderen Seite macht auch der türkische Staat nichts über diesen Krieg öffentlich. Alles wird gedeckelt. Der Bevölkerung wird nichts mitgeteilt, selbst den Soldaten wird nichts gesagt. Beispielsweise sterben irgendwo Soldaten. Dann werden alle Soldaten mit Hubschraubern von dort weggeholt und dafür neue gebracht, aber die Neuankömmlinge wissen nicht, dass ihre Vorgänger dort gestorben sind und was dort abgelaufen ist. Der türkische Staat führt also einen sehr verdeckten Krieg, in dem er große Verluste hat. Das ist auch in der HPG-Bilanz aufgeführt worden.

Heute ist der 36. Tag und einige Orte sind noch nicht eingenommen worden. In Zendûra, Mervanos und weiteren Gebieten in Avaşîn müht sich der Feind seit 36 Tagen vergeblich ab. Das stellt eine neue Situation in der Kampfgeschichte dar. Die Freiheitsguerilla Kurdistans führt mit ihrer neuen Art und Weise die modernste Waffentechnologie ins Leere. Sie ist ausgestattet mit der Ideologie und Denkweise von Rêber Apo [Abdullah Öcalan] und verfügt über Willensstärke, Mut und Opferbereitschaft. Das ist das auffälligste Ergebnis des aktuellen Krieges. Die Armee setzt täglich und massiv alle technischen Mittel ein und kann trotzdem nicht die gewünschten Ergebnisse verzeichnen. Was zeigt uns das? Es zeigt uns die Stärke des Menschen.

Natürlich können wir hier nicht alles kommentieren. Diese Ergebnisse sollten von unabhängigen Beobachtern und Militärexperten ausgewertet werden. Wenn wir es tun, könnte uns Einseitigkeit vorgeworfen werden. Aber was heute im Zagros-Gebirge, in Avaşîn, Zap und Metîna von großen Heldinnen und Helden geleistet wird, ist wirklich eine sehr wichtige und neue Sache. Der Mut und die Kreativität der jungen Frauen und Männer aus Kurdistan einschließlich der arabischen und türkischen Apocu unter ihnen können nur größten Respekt hervorrufen und sind sehr wertvoll.

Die heutigen Ergebnisse in Avaşîn, Zap und Metîna sind eine Fortsetzung des Sieges von Gare. Der türkische Staat konnte Gare nicht verheimlichen und Erdogan musste den Misserfolg zugeben. Das war dem Staat eine Lehre und aus dieser Erfahrung heraus wird heute alles verheimlicht. Auch hier gab es ähnliche Ergebnisse wie in Gare, in einigen Gebieten sogar noch größere, aber der Staat hält das geheim. Wie gesagt, ich will mich dazu gar nicht viel weiter äußern. Es gibt die laufenden Erklärungen der HPG, aber es sollten wirklich Beobachter herkommen und es selbst sehen. Selbst wenn es aus der Entfernung stattfindet, sollten die Ergebnisse vor Augen geführt und dementsprechend bewertet werden.

In dem heutigen Krieg nutzt die kurdische Guerilla das Gelände in der gesamten Breite und Tiefe auf kreative Weise mit professionalisierten Teams. In dieser Hinsicht hat für die Guerilla eine neue Zeit begonnen. Das gilt nicht nur für uns, sondern für alle Guerillakämpfe weltweit. Es werden neue Methoden angewandt. Darüber hinaus benutzt die Guerilla auch unterirdische Tunnel. Das ist neu für die Guerilla. Mit diesen neuen Methoden wird die Technik des Feindes unschädlich gemacht. Das ist die zweite Seite dieses Krieges.

Drittens kämpft die Guerilla nicht nur am Boden und unterirdisch, sondern auch im Luftraum. Hier spielen die Luftverteidigungseinheiten Şehîd Delal eine wichtige Rolle. Der Feind spricht viel über diese Einheiten. Unser Volk ist vielleicht auch neugierig, aber der türkische Staat fragt nur: ,Wer hat geholfen, woher sind sie gekommen?‘ Wir wollen natürlich nicht alles mitteilen, aber ich kann dazu folgendes sagen: Wenn wir alles preisgeben würden, wären alle erstaunt über das kreative Niveau der PKK-Guerilla in den Bergen. Wir können in diesen Bergen alles erschaffen.

Ich möchte ein Beispiel geben: [Verteidigungsminister] Hulusi Akar hat neulich persönlich alle Waffen aufgezählt, die wir in der Hand haben. Er sagte: ,Sie benutzen die Zagros-Waffe.‘ Und wer hat diese Waffe produziert, wessen Waffe ist sie? Sie ist aus kurdischer Produktion und in den Bergen Kurdistans hergestellt. Es ist eine so wirksame Waffe, dass sie die Aufmerksamkeit der staatlichen Verantwortlichen weckt. Wir brauchen also gar keine Hilfe von Staaten. Wir können alles selbst machen. Auch das von unseren Lufteinheiten verwendete Material wird zum Großteil von uns selbst gemacht, das wird sich in der Zukunft noch mehr zeigen.

Die Freiheitsguerilla Kurdistans hat in diesem seit 36 Tagen andauernden Krieg trotz der entwickelten Technologie des Feindes erneut ihre Unbesiegbarkeit bewiesen. Das ist eine Tatsache.

ANF

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Written by Claudia Carmen

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